Der Lern-Blues
Ich habe mir drei Monate vor meinem Examen eine Pause genommen.
Ich habe fast zwei Wochen lang einfach gar nichts gemacht, was mit Jura zu tun hat. Und ich fühle mich unterschwellig ständig schlecht deshalb.
Ich habe mir diese Pause genommen, weil ich ich sie gebraucht habe. Ich war nicht faul oder hatte keine Lust zu lernen, ich habe es wirklich versucht. Jeden Tag, an dem ich lernen war, hat mich im letzten Monat zum verzweifeln gebracht. Ich habe einfach nichts in meinen Kopf reinbekommen und ständig Pausen gemacht. Ich war ständig hibbelig und konnte mich nicht mehr konzentrieren. Ich habe eine Pause wirklich gebraucht und trotzdem habe ich immernoch das Gefühl, ich hätte sie nicht machen dürfen.
Weshalb fühle ich mich so schlecht dafür, eine Pause gemacht zu haben, die ich dringend gebraucht habe?
Einerseits ist es natürlich der gigantische Leistungsdruck, unter dem wir alle stehen. Die Stoffmenge ist riesig und in den meisten Gebieten reicht es einfach nicht aus, nur Grundkenntnisse zu haben. Dass ich in den meisten Gebieten aber nicht viel mehr als das habe und gleichzeitig einige Nebengebiete noch nicht einmal angeschaut habe, lässt mich auch nicht gerade ruhiger schlafen.
Auf der anderen Seite aber ist es auch der beängstigend strenge Maßstab, den ich an mich selbst angelegt habe. Ich war nie besonders scharf darauf, mit einem Prädikat abzuschließen. Zu Beginn meiner Vorbereitung habe ich mir dann doch dieses Ziel gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt fand ich es eine gute Idee, da ich das Prädikat anstreben wollte, aber auch mit einem Ergebnis darunter zufrieden gewesen wäre. In der Zwischenzeit hat sich dieses Ziel aber von einem motivierenden Ansporn zu einer erdrückenden Erwartungshaltung gewandelt. Ich habe nun so viel Zeit, Kraft und Energie dafür investiert, dass jedes Ergebnis, das darunter bleibt, eine kleine Enttäuschung wäre. Diese Einstellung ist ziemlich ermüdend. Denn die Chance, mein Ziel zu erreichen, ist nicht groß. Ich gebe jeden Tag mein bestes, um es zu erreichen, aber es gibt einfach so viele Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen können. Was, wenn ich am Tag der ersten Klausur einfach einen schlechten Tag haben werde? Ich kann nicht alle Dinge kontrollieren, die das Ergebnis beeinflussen werden.
Auch für mich ist es leichter gesagt als getan, aber ich denke, dass man einfach nicht so streng mit sich selbst sein darf. Würde eine Freundin mir erzählen, was sie alles tut, um ihr Ziel zu erreichen, würde mir nicht im Traum einfallen, sie an einem so unrealistischen Maßstab zu messen, wie ich es bei mir selbst tue.
Man kann sich so gut vorbereiten wie es nur geht. Für alles andere muss man eben hoffen, dass man Glück hat. Welcher Korrektor meine Klausur liest, kann ich mir einfach nicht aussuchen.
Was ich damit sagen will ist also: Wir tun schon so viel und arbeiten so hart für unsere Ziele, dass wir es auch selbst anerkennen sollten und uns nicht auch noch darüber ärgern, dass wir noch viel mehr machen sollten!
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